mehr zur Schleiereule

Heimliche Kirchenbewohner
Wer letztes Jahr nachts im August an der Kirche vorbeigegangen ist, hat vielleicht langanhaltende Schnarchlaute oder aber kurze Schreie gehört. Wer sogar einen sehr hellen Vogel hat fliegen sehen, der mag sich gefragt haben, was da nachts unterwegs ist. Es sind Schleiereulen!
Im Kirchendach oberhalb des Altars hatte ein Paar dieser hübschen Eulenvögel einen Nistkasten hinter einem Dachgaubenfenster bezogen. Der ca. 1 m lange und 50 cm hohe Kasten ist auch bei anderen Vögeln sehr begehrt, aber die Eulen konnten sich gegen die Dohlen behaupten.
Im Mai hatte das Weibchen 7 Eier – jeweils im Abstand von ca. zwei Tagen – gelegt und mit dem Brüten angefangen. Nach etwa 32 Tagen schlüpften die Jungen auch im Abstand von zwei Tagen. Im Alter von ca. 3 Wochen – wo sich im flauschigen Dunenkleid allmählich die Schwung- und Schwanzfedern entwickeln – wurden die 5 Jungen mit einem Fußring der Vogelwarte Hiddensee beringt. Im August verließen sie erstmals den Kasten, hielten sich außen auf dem Dach auf und warteten auf die Elternvögel, die ihnen Mäuse bringen.
Interessant ist die spezielle Fortpflanzungsstrategie der Schleiereule in Abhängigkeit von der Feldmaus, ihrem Hauptbeutetier: In Jahren mit wenigen Feldmäusen kann es sein, dass die Eulen überhaupt nicht brüten. Gib es dagegen eine Feldmausplage, so brüten die Eulen gleich zweimal im Jahr. Auch drei Bruten wurden ausnahmsweise schon festgestellt. Ein Paar kann dann bei uns bis zu 15 Jungen in einem Jahr haben.
Als eine Art eher wärmerer Gegenden kann die Schleiereule kaum Fettreserven anlegen. In harten, schneereichen Wintern kommt es deshalb zu hohen Verlusten durch Verhungern. Glück haben Eulen, die in zugänglichen Scheunen noch Nahrung finden. Von den letzten sehr milden Wintern hat die Schleiereule natürlich profitiert.
Viele Mäuse gibt es derzeit nicht. Umso erfreulicher ist es, dass die Eulen bei uns brüteten und ihre Jungen aufgezogen haben. Wir hoffen, dass die Jungen überlebt haben und sich als Mäusefänger nützlich machen.
Holger Tippmann